|
Marma Chikitsa:
Ayurvedische Vitalpunktbehandlung
Unter Marmas versteht man wichtige, vitale Punkte im Körper, die
ganzheitliche Funktionen haben. Marma Chikitsa ist die alte ayurvedische
Lehre der verborgenen Energiezentren in unserem Körper. In ihnen
pulsiert unser Lebensatem, das Prana. Es gibt 6 Mahamarmas, (Hauptmarmas)
die einem oder mehreren der 5 Mahabhutas (Elemente) zugeordnet sind. In
den Palmblatt-Texten der Siddhayoga-Tradition in Tamil Nadu werden die
über den Körper verteilten 108 dieser physisch-psychischen Nahtstellen
ausführlich behandelt. Durch klinische Untersuchungen am Ashtanga
Ayurveda College in Pune hat man beachtliche Heilungserfolge nachweisen
können. Der Begründer der chirurgischen Richtung des Ayurveda, Susruta
(ca. 100 n. Christi), hat die Marma-Lehre weiter entwickelt und in
seiner Salya-Tantra niedergeschrieben. Marma Chikitsa ist jedoch viel
älter. Marmas können bei guter Funktion ein gesundes und erfülltes Leben
ermöglichen; wenn sie jedoch erkranken oder verletzt werden, wirkt sich
dies einschränkend auf ihre vitalen körperlich - geistig - psychisch und
emotionalen Funktionen aus. Das persönliche Bewusstsein, die
Wahrnehmung, der Wach- und Schlafrhythmus, sowie das Erleben des Lebens
kann durch Blockaden, Verletzungen (auch auf der Gefühlsebene) oder
Ausfall eines oder mehrerer Marmas verändert werden, was zu Krankheit
führt. Die Marmas halten das Gleichgewicht. Gefühle wie Furcht, Angst,
Wut, Neid, Hass, Trauer, Hilflosigkeit, aber auch Liebe, Freude,
Zufriedenheit, Glück, um nur einige zu nennen, die in das Bewusstsein
aufsteigen und die nicht voll zugelassen werden sowie Verletzungen,
blockieren die Marmas und verhindern die rhythmischen Bewegungen, die
von ihnen ausgehen und sich über den Körper ausbreiten. Je nach Art und
Schwere der Verletzung (ob grobstofflich oder feinstofflich) richtet
sich die Behandlung. Der Therapeut benutzt seine Hände, sein
Wahrnehmungs- und Einfühlungsvermögen um die Marmas zu fühlen, zu öffnen
und zu harmonisieren sowie Blockaden auf verschiedenen Ebenen zu lösen.
Dabei werden die Marmas nicht manipuliert, sondern vielmehr stimuliert
durch den Prozess des Fühlens der Bewegungen, die ihren Weg finden,
indem wir loslassen. Therapeut und Patient begegnen sich auf der Ebene
des Fühlens, der subtilsten Form der Wahrnehmung.
Die Behandlung dauert ca. 1,5 - 1,75 Stunden
Im Anschluss besteht die Möglichkeit zu ruhen
Ayam me hasto Bhagavan
Ayam me bhagavattarah
Ayam me visvabhheshajah
Ayam shivabhimarshanah
Meine Hand ist Gott.
Grenzenlos glückselig ist meine Hand.
Diese Hand bewahrt alle heilenden Geheimnisse.
Die ganz machen mit ihrer sanften Berührung.
Rigveda
Legende
Über die Entstehung der Marmas
gibt es in Indien mehrere Legenden.
Eine davon ist die folgende von Shiva und Sati :
Shiva ist der Schwiegersohn von Daksha (shiva wird auch als "Herr des Yoga" bezeichnet. Er gehört zur Götter-Triologie "Brahma, Vishnu, Shiva" und symbolisiert darin den Zerstörer.). Sati, Dakshas jüngste Tochter wird Shivas Frau ( Sati bedeutet die Rechte, die Ideale ).
Daksha richtet ein großes Opferfest aus, zu dem er alle Götter und Heiligen zu einem großen Familienfest einlädt, also die ganze Weltfamilie. Allein Shiva, seinen Schwiegersohn nicht, da er aus einer niederen Kaste ist. Sati nimmt sich die Kränkung ihres Gatten so zu Herzen, daß sie, um ihren Vater dafür zu strafen und mit Schuld zu beladen, in den Tod geht. Sie ist so traurig über die Verlogenheit ihres Vaters und die Lieblosigkeit in der Welt, daß sie sich ins Feuer stürzt und stirbt. Als Shiva vom Tod seiner Frau erfährt,
ist er außer sich vor Schmerz.
Er nimmt die tote Frau auf seinen Rücken und geht mit ihr durch die Welt. So vernachlässigt er alles und kümmert sich um nichts mehr.
Dadurch gerät die Welt langsam in Unordnung. Brahma, der Schöpfergott und Vishnu, der Erhaltergott wollen dem Einhalt gebieten. Sie zerschneiden den Leib Satis und vergraben die Stücke an verschiedenen Stellen im ganzen Land. Diese Orte werden nun zu Heiligen Stellen der Pilgerschaft.
Es sind jene Orte, an denen die Sehnsucht in das Herz der Menschen wiederkehrt. Diese "Todesstellen" sind die Marmas.
Die Marmas bringen die Erinnerung zurück. Wenn man sich erinnert, kann man neu zum Leben kommen, alle Grenzen sind an diesen Stellen zu Fall gebracht. Es sind Stellen, an denen die Sehnsucht bleibt, Orte der Erinnerung an das, was hier geschehen ist
Der Mensch erfährt die Welt.
Sie darf für ihn aber nicht in der Erinnerung an das Todbringende verhaftet sein, sonst lebt er nicht in der Realität. Im Marma Chikitsa wird versucht, die einzelnen
Marmas (die Einzelstücke Satis) neu miteinander zu verbinden, so daß damit neues Leben erweckt wird, daß das Leben wieder neu und lebendig erfahren werden kann, in seiner Ganzheit, in seiner Fülle.

Loka samasta
sukhino bhavantu
Mögen alle Wesen glücklich sein
|